nach geistiger vertiefung in rosenbooms niederländische tangoliebe und maria cecilia barbettas seltsamen begebenheiten in einer änderungsschneiderei in buenos aires, durchströmt uns der rhythmus der temperamentvollen marili machado, „la voz de buenos aires“ und dem „ensamble el monte“.

das publikum im alter zwischen mitte vierzig und weit über achtzig ist anfangs verhalten. die begeisterung zeigt sich in der mimik und dem einen oder anderen fuß, der versteckt in den zu engen sitzreihen im takt wippt. der applaus zwischen den stücken fällt um so heftiger aus, als wollten sich die aufgestauten emotionen und energien endlich entladen. mit ihrer andauernden heissblütigen leidenschaft erobert marili machado letztendlich den saal. das publikum klatsch den rhythmus, ab und zu auch falsch, kann sich nicht mehr länger auf den stühlen halten. das spiegelzelt vibriert. nach eindreiviertel stunden endet das einstündige konzert mit dem versprechen, dass nach den anstehenden umräumaktionen für die folgende ’noche de tango‘ marili den tangotanz mit zwei weiteren stücken eröffnet. marilli machado verlässt an diesem abend einen saal voll zufrieden entspannt strahlende gesichter.

„marili machado ist offizielle kulturbotschafterin argentiniens und gehört in ihrer heimat zu den profilierten interpretinnen des tangos. ihre einzigartige stimme, ihr beeindruckendes gitarrenspiel und ihre unter die haut gehenden lieder machen ihre konzerte zu einem besonderen erlebnis. mit charme, herzlichkeit und geschick fächert machado einen musikalischen bilderbogen auf, der einblicke in  die vielfältigkeit der argentinischen musik bietet.“

machadomachado + bandmachado

bücherbummel auf der kö. freitag abend besuchte ich die argentinische nacht im spiegelzelt in düsseldorf. hier las thomas rosenboom aus seiner 2004 erschienenen novelle ‚tango‚.

die handlung ist schnell erfasst: protagonist ist der 45-jährige han. er fängt an tango zu tanzen, weil er noch nie geküsst hat. ausgestattet mit dem rat, ‚fordere niemals eine dame auf, die deinen Blick nicht erwidert‘, besucht er einen der salons amsterdams. bei seiner ersten tangopartnerin blamiert er sich schrecklich und bleibt alleine und in sich gekehrt zwischen den paaren tanzend zurück. dann tanzt esther mit ihm. in einem wechsel von anziehung und zurückweichen entwickelt sich leidenschaft. die rollen von verführerin und verführtem geraten durcheinander – ganz wie beim tango…

desavouierende szenen. emotional geladen in prägnanter sprache erzählt. vom autor vorgetragen, als erzähle er aus seinem leben. die zuhörer lauschen 30 minuten gebannt,  hin und her gerissen zwischen „verhaltener ernsthaftigkeit‘ und ‚boshaftem humor‘. eine kurzweilige lesung die gerne hätte länger dauern können. rosenboom sagte mir zu diesem buch es sei sein ‚leichtestes‘; ich lasse mich überraschen. die taschenbuchausgabe habe ich noch vor ort mitgenommen und schon jetzt freue mich auf die humorvollernste lektüre.

„thomas rosenboom, geboren 1956, ist einer der bedeutendsten autoren der niederlande. er wurde schon vielfach mit literaturpreisen ausgezeichnet. den librispreis, die wichtigste literarische auszeichnung der niederlande, erhielt er als einziger autor sogar zweimal: für ‚das liebeswerk‘ und ’neue zeiten‘.“

seit nunmehr 15 jahren arbeite ich mit und für das internet. in den anfängen von html waren die präsentationsmöglichkeiten beschränkt. es gab fließtext und bilder. eine ordentliche gestaltung war schwer möglich. die einschränkung der darstellbaren schriftarten und browserunabhängigen farben taten ihr übriges. ein professioneller auftritt im unternehmenskonformen design eine unbezwingbare herausforderung. die weitere entwicklung der klassischen html programmierung ermöglichte das strukturieren der seiten; erst über tabellen, später mit framesets und heute mit layern die eine eindeutige position eines objektes auf der seite festlegen.

ich erinnere mich an eine webseite, die ich ende 1999 in einem auditorium als unglückliche lösung präsentierte. standardbildschirme hatten zu dieser zeit eine größe von 14″ und eine auflösung von 800×600. der seitenaufbau mit frames zeugte von modernität und innovation. eine große überregional vertretene buchhandlung hatte ihre internepräsenz überarbeitet. das layout war in neun gleichgroße quadratische frames unterteilt. klickte man auf einen link in dem einen frame, änderte sich der inhalt in einem oder mehreren anderen frame(s). in jedem frame waren die texte immer nach ein bis zwei worten umgebrochen. buchtitel waren selten komplett lesbar. scrollen war in allen frames notwendig. durch die neun horizontalen und vertikalen scrollbalken wurde wertvoller platz verschenkt. neben dieser gestaltung mit allen möglichkeiten eines modernen auftritts konnte man über die seite fortan auch bücher kaufen, wenn man nicht die geduld oder gar die orientierung verlor.

die seite hatte die benutzerfreundlichkeit und anmutung zugunsten der modernität geopfert.  eben dies hatte der anbieter recht schnell gemerkt und nach vier monaten einen weiteren relaunch präsentiert. hier stand dann glücklicherweise wieder der kundennutzen und die komfortable benutzerführung im fokus.

neue technologische entwicklungen bedingen immer wieder übereifrige unternehmer, die vom innovationsanspruch getrieben den grundgedanken ihres auftritts aus den augen verlieren.

so präsentiert sich derzeit ein unternehmensberater und anbieter von interims managern mit einer komplett animierten seite, die keine kreative finesse auslässt. hauptakteur der seite ist eine limette, die ‚vor’bildlich in szene gesetzt die seitenaussagen transportiert. zweisfelsohne eine gekonnte grafische und technische glanzleistung – designpreiswürdig – aber passt die gewählte symbolik zum seriösen habitus des unternehmens?

…und auf der neuen präsenz eines namhaften finanzinstituts sind zwar alle technischen optionen der portallösung ausgeschöpft, jedoch findet der kunde nur schwer die informationen die er sucht. um ein bestimmtes sparprodukt zu finden habe ich mich durch sechs seiten gehangelt und auf jeder seite musste ich mich erst orientieren wie ich zur nächesten ebene gelange. positiv sei hier erwähnt, dass das onlinebanking von der homepage aus mit einem klick erreichbar ist. so ist wenigsten kundenbindung gewährleistet, neukundengewinnung bleibt meines erachtens glückssache.

die erfahrung hat mich gelehrt, das die neueste technologie nicht zwingend den eindruck hoher qualität bei der zielgruppe hinterlässt. die grundanforderungen an einen guten onlineauftritt sollten in jedem fall berücksichtigung finden.

beim besuch einer seite möchte ich schnell über den anbieter, sein angebot und die qualität die er mir in produkten und dienstleistungen liefert informiert werden ohne romane lesen zu müssen. mit nur wenigen klicks möchte ich das gesuchte finden. ist der inhalt ansprechend und entsprechend der gesamtkommunikation fasse ich vertrauen und werde kunde; und vorausgesetzt das layout deckt sich mit meinem eindruck von meinem ansprechpartner, der firma, der leistung und dem markt festigt sich mein vertrauen und ich bleibe kunde – sehr gern!

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